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Usedom
Usedom. Gänse, Windmühlen und Raketen.
Sie ist ein wenig aus der Mode gekommen, die hübsche Insel in der Ostsee. Usedom war in der Vorkriegszeit angesagter Hotspot für die Sommerfrische. Schon im 19. Jahrhundert existierte eine Bahnlinie zwischen Berlin und Usedom. Typisch ist ihre seltsame Form: Ein Fünftel gehört zu Polen, der Rest – wieder in zwei bizarre Abschnitte unterteilt – ist deutsch. Und steht unter Naturschutz. Beschaulich ist die Insel und das vorgelagerte Festland (ist übrigens nur einen halben Kilometer entfernt) geblieben, dass man die Ruhe nur ungern stören möchte. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Urige Fischerdörfer, hübsche Küsten, ruhiges Gewässer. Gänse marschieren selbstbewusst über die Straßen. Da muss man Geduld haben. Egal - so schnell geht es ohnehin nicht voran, denn die meisten Verkehrswege der Insel sind noch mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Ländlich eben, aber schön. Buchenwälder, Moränenhügel und Moore liegen noch so unberührt da, wie in jener Zeit, als Usedom noch in war. Sehenswert in puncto Ursprünglichkeit ist das Achterwasser, das von Küste und Meer so umschlossen ist, dass es fast wie ein See wirkt. Selbst das Wetter meint es gut mit diesem Fleckchen Erde. Denn: Usedom gehört zu den sonnigsten Stellen Deutschlands.
Kaum zu glauben, dass es auf dieser idyllischen Insel einmal eine Raketen-Versuchsstation gab. Im Krieg mussten die Mitarbeiter dort Waffen entwickeln, die zur Abwehr der englischen Luftwaffe gedacht waren. Heute ist an dieser geschichtsträchtigen Stelle bloß noch ein Freilichtmuseum, das alles historisch und technisch dokumentiert. Ein ganz anderes Freilichtmuseum beschäftigt sich mit der geologischen Beschaffenheit der Insel. Das Forstamt Neu Pudagla zeigt die meisten vorkommenden Gesteinsarten Usedoms.
Die schönsten Herrenhäuser sind das Wasserschloss Mellentin aus dem 19. Jahrhundert und Schloss Stolpe, das zwischenzeitlich mal als Ferienlager genutzt wurde, aber heute wieder für Konzerte zur Verfügung steht. Das wohl berühmteste Wahrzeichen der Insel: die Holländerwindmühle in Benz. Der Künstler Lyonel Feininger (+1965) zeichnete sie 1910 als erster. (je)
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